Waldjugend Reichshof-Windfus praktiziert 39 Jahre aktiven Umweltschutz
und vielseitige Jugendarbeit

Zupacken statt reden

Viele reden vom Schutz der Umwelt, aber nur wenige sind bereit, außer dem Ruf nach dem Staat sich selbst zu aktivieren und selbst Hand anzulegen bei der Lösung dieses Problems. Der Schutz der gefährdeten Natur und die Pflege der Landschaft ist allerdings eine Aufgabe, die breiten Bevölkerungskreisen am Herzen liegen sollte, wertet man die Wichtigkeit dieser Aufgabe im rechten Maße. Aber leider sind es oft nur Einzelpersonen oder kleine Gruppen über die es zu berichten gilt.

Im Oberbergischen Kreis jedoch, bei Eckenhagen in der Gemeinde Reichshof, dem 300 Seelen Dorf Windfus, hat es eine Jugendgruppe fertiggebracht, eine ganze Region für die genannten Ziele zu begeistern.

Kaum war in NRW die Deutsche Waldjugend, die Jugendorganisation der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, ins Leben gerufen worden, man schrieb das Jahr 1960, regten sich auch im Oberbergischen Kreis die Aktivisten, die in diesem Verbund mitmachen wollten. Über die Ziele der Waldjugend waren lediglich verschwommene Begriffe bekannt geworden: praktische Arbeit im Wald und junge Menschen wollten mithelfen – unter der Anleitung von einem sogenannten „Forstpaten“ – die Lebensgemeinschaft Wald zu erhalten.

In Windfus hatten sich einige Jungen und Mädchen zusammengefunden, die hier aktiv mitwirken wollten. Ihre ersten Treffen fanden 1963 im Forsthaus Windfus statt, wo ein „Patenförster“- Revierförster Joachim Hecht, bereit war – wie auch einige der späteren Förster und Forstwirtschaftsmeister – über die Dienstzeiten hinaus für die Jugend da zu sein.

Dies war die Geburtsstunde der Waldjugend in Windfus. Keiner, der das schmucke Jugendheim der Waldjugend heute betrachtet, sollte meinen, welche primitiven Anfänge notwendig waren, um dieses große Ziel zu erreichen. Seit 1963 wird die Windfuser Waldjugend von Lothar Selbach geleitet. Zusammen mit ihrem Forstpaten bauten die Naturschützer einen Waldlehrpfad, der dem Wanderer die Besonderheiten der Natur nahe bringt. Wandernd sollte der Urlauber die Tier- und Pflanzenwelt des Oberbergischen kennen lernen, nicht aufdringlich, sondern Schritt für Schritt, quasi „tropfenweise“ lernen. „Man kann nur schützen, was man auch kennt“, war die Devise der Waldjugend.

Höhepunkt der Arbeit am Waldlehrpfad war die Errichtung eines Kohlenmeilers nach alten Vorbildern, wobei das Forstamt Waldbröl wertvolle Hilfestellung leistete. Die Arbeitsleistung der Jugendlichen erschöpfte sich jedoch nicht nur an dieser vorbildlichen Anlage. Mittelpunkt der Jugendarbeit im Ort ist das 240 m2 große Waldjugendheim, an dessen Errichtung die Dorfgemeinschaft ihren Anteil hatte. Werkraum, Kaminzimmer, Schlafzimmer, ein großer, zentraler Versammlungsraum für Veranstaltungen jeder Art lädt zum geselligen Beisammensein ein und eine kleine Küche bietet dem Besucher einen kleinen Imbiss.

Prominente, 62(!) an der Zahl, gaben sich hier im „Wald der nächsten Generation“ (quasi ein lebendes Denkmal) bereits ein Stelldichein. Von Tierfilmer Heinz Sielmann bis zu Bundesumweltminister Prof. Dr. Klaus Töpfer reicht die Skala der Prominenten Besucher und das Gästebuch der Waldjugend Windfus weist manchen bekannten und unbekannten Namen auf.

Im Waldjugendheim schmieden die Jugendlichen mit ihren Gruppenleitern das weitere Tun in der Natur und die regelmäßigen Treffen der Gruppen finden hier statt. Ganz so nebenbei weisen die Mitglieder daraufhin, das die Bänke, das Grillhaus, Rastplatz, Kote und das Denkmal im Ort unter ihrer Mitwirkung entstanden sind. Im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ haben die Windfuser seit dem Bestehen der Waldjugend manche Auszeichnung und manche Medaille errungen. 1979 wurde der Ort mit der Goldmedaille auf Landesebene ausgezeichnet.

Immer wieder tauchen im Arbeitskatalog Fakten auf, die das biologische Tun der Gruppe ins rechte Licht rücken. Hier liest der staunende Betrachter, dass die Mitglieder mehrere Wacholderschutzgebiete betreuen (eins wurde durch sie unter Naturschutz gestellt), größere Flächen aufgeforstet haben, 300 Nist- und Fledermauskästen gewerkelt, Wasserproben aus oberbergischen Bächen genommen und ausgewertet haben, eine Vielzahl von Feuchtbiotopen angelegt, Geld für den Kauf einer Vogelschutz-Insel im Mittelmeer erarbeitet, Bäume in Dürregebiete Afrikas geschafft und nicht zuletzt Bestandsaufnahme der Vogelwelt ihres Reviers erstellt haben. An verschiedenen Stellen in der Gemeinde Reichshof pflanzten sie Hecken, legten Streuobstwiesen an und bauten einen ehemaligen Wasserhochbehälter zu einem Fledermausquartier um. Und während all dieser Arbeit fraß sich der Maloch Verkehr an Windfus heran in Gestalt der neuen Bundesautobahn Köln-Olpe, die unweit des Dorfes eine Anschlussstelle erhielt. Diese Verkehrsader brachte wieder neue Probleme, schon zu dem Zeitpunkt, wo noch kein Kraftfahrzeug dieses neue Betonband befuhr. Mitten durch das Revier fraß sich die Verkehrsader und Pflanzen und Tiere wurden bedroht.

Aus dieser Aufgabenstellung heraus ergab sich die Notwendigkeit, eine Reihe von Völkern der „Roten Waldameise“ auszusiedeln, die sonst der Vernichtung anheimgefallen wären. Hier war es wiederum das Forstamt und die Waldjugend, die die Initiative ergriffen und die nützlichen Kleinlebewesen aussiedelten – zusammen mit Experten des Pflanzenschutzamtes der Landschaftskammer Rheinland in Bonn. Seit Jahren werden jetzt Umsiedelungen und das Anlegen von Hauben in eigener Regie durchgeführt. Ameisen aus dem Patenrevier der Waldjugend sind in verschiedenen Revieren des Rheinlandes eingebürgert worden. So zum Beispiel in Kleve und Solingen. Für die Waldjugend war die Aussiedlung Grund genug, um den Schulfunk des Westdeutschen Rundfunks zu einer instruktiven Sendung zu animieren. Auch mehrere Fernsehsender drehten bei verschiedenen Naturschutzeinsätzen. Öffentlichkeitsarbeit für Natur- und Landschaft wohl im vorbildlichen Sinne.

Über 40 Fahrten ins In- und Ausland organisierte man. Höhepunkte waren hierbei Reisen nach Finnland, Norwegen, Schweden, Rumänien, Kanada und internationale Jugendbegegnungen.

Die Gruppe hat bewiesen, dass sie in der Lage ist, eine zeitgemäße, sinnvolle und über die Zielsetzungen hinausgehende Jugendarbeit zu leisten.

Nach ihrer Satzung ist die Waldjugend überparteilich, aber nicht unpolitisch, überkonfessionell, aber nicht bindungslos. Sie will die körperliche, geistige, sittliche, musische und politische Bildung fördern, zur Eigenverantwortung und Gemeinschaftsbezogenheit führen. Auch die Zusammenarbeit mit älteren Generationen und mit anderen Jugendgruppen wird stets gepflegt. Im Kreisjugendring Oberberg und im Landschaftsbeirat tritt die Waldjugend seit Jahren aktiv für die Belange der Jugend und des Umweltschutzes ein.

Vielseitig und umfangreich ist die allgemeine Jugendarbeit. Sie reicht von Spielabenden über Grillstunden bis hin zu Vortragsveranstaltungen. Die Ausstattung des Jugendheimes lässt kaum Wünsche offen die Freizeit sinnvoll zu gestalten.

Dass die Arbeit der Windfuser Gruppe den heutigen Umfang angenommen hat, ist mehreren Gruppenleitern sowie einigen Eltern der DWJ-Mitglieder zu verdanken. In den vergangenen 39 Jahren hat die Waldjugend Windfus bewiesen, dass sich bei ihr nicht weltfremde „Naturschwärmer“ zusammengefunden haben, sondern junge Menschen, die sich aus Idealismus mit Fragen der Natur und deren Erhaltung vertraut machen. Das Verständnis und die Liebe für das Tier- und Pflanzenleben zu wecken und auch Nichtmitglieder für die Mitarbeit auf dem Gebiet des Naturschutzes und der allgemeinen Jugendarbeit zu gewinnen, ist bis heute erfolgreich praktiziert worden.

Die Waldjugend in Windfus hat im Rahmen der von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gesteckten Ziele 39 Jahre Aktivitäten entwickelt, die in breiten Bevölkerungskreisen des Oberbergischen Landes Anerkennung gefunden haben. Sie ist zudem eine der am längsten tätigen Naturschutzgruppen dieser Region.

(Lothar Selbach)


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