Im Naturwald Bucheckern gesammelt

Von LARS STROMBACH

Quelle: OVZ 25.10.2004


 

WINDFUS. Es dämmert schon ein wenig. Die letzten Sonnenstrahlen des warmen Oktobertages durchdringen das bunte Laub der alten Rotbuchen im Puhlbruch, einem großen Waldgebiet südöstlich von Eckenhagen.

Mitglieder der Waldjugend Windfus knien nahe dem Waldlehrpfad auf einem großen Kunststoffnetz. Eifrig sammeln und sortieren sie. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von acht bis 13 Jahren haben es auf die von den Bäumen gefallenen Bucheckern abgesehen, die auf dem ausgebreiteten Netz gelandet sind.

Im Puhlbruch steht der älteste Rotbuchenbestand im Oberbergischen Kreis. Dieser Naturwald mit seinen urwüchsigen, über 150 Jahre alten Bäumen ist etwa 14,4 Hektar groß. In dieser Parzelle darf keine Motorsäge eingesetzt werden. Stürzen die Bäume um, verrotten sie in diesem „Urwald“ auf dem Boden.

„Die Rotbuche ist eigentlich die natürliche Hauptbaumart in unseren nährstoffarmen Schiefergebirgs-Waldgebieten“, sagt Revierleiter Daniel Müller-Habbel. Die Saatguternte diene der Gen-Erhaltung. Das künftige Saatgut werde nach Güteklassen sortiert, ergänzt Lothar Selbach von der Waldjugend. Manche der gesammelten Bucheckern kommen zur Samenaufbereitung ins hessische Hanau. Dort werden die jungen Pflanzen über Winter angezogen.

Wieder andere Bucheckern werden in Baumschulen gebracht, um dann nach zwei bis drei Jahren wieder im Wald angepflanzt zu werden. „Wir wollen die monotonen Fichtenbestände mit Rotbuchen bereichern und so den Artenreichtum fördern“, erklärt Müller-Habbel. Einige der hochwertigen Bucheckern werden zur Forstgenbank in Arnsberg geschickt und dort eingefroren. „Diese Genbank wurde vor 15 Jahren im Kampf gegen das Waldsterben gegründet“, erläutert Selbach.

Einige Mitglieder der Waldjugend hatten bereits in der vergangenen Woche 79 große Kunststoffnetze unter den Rotbuchen ausgelegt und auch schon gesammelt. Dabei kam sogar eine Sortiermaschine zum Einsatz. Der Termin der Bucheckernernte im Puhlbruch ist jetzt genau richtig gewählt. Die Samen fallen in der Zeit vor den Nachtfrösten von den Bäumen, wenn die Kapseln kurz vor dem Aufspringen sind.

Zwischen den sammelnden Naturschützern hüpft auf dem Netz flink und fröhlich Anna herum. Der erst zehn Wochen alte Parson Jack Russell-Terrier von Revierleiter Daniel Müller-Habbel ist natürlich der Liebling der Kinder. Den Jugendlichen macht das gesellige Sammeln Spaß. „Das ist viel besser als zu Hause rumsitzen und Fernsehen gucken“, sind sich Aron Tecini, Malte Büscher, Daniel und Christian Müller einig. Nadine Selbach, Nicole Jankowski und Mascha Wycick stimmen ihren Freunden zu.

Mit Einbruch der Dunkelheit wartet auf die fleißigen Kinder eine Belohnung. Im Tal lodert ein Lagerfeuer, und die heißen Grillwürstchen schmecken vorzüglich.

Bucheckern


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